Meine Erde ist rundDie letzte Etappe meiner Weltumseglung vor 50 Jahren
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Resümee meiner ersten Weltumseglung
9. Mai 2018

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Mein Schicksal heißt Kathena
270 Seiten, 60 Abbildungen,
Delius Klasing Verlag
EUR 14,90
ISBN 978-3-7688-3254-0
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Die letzte Etappe meiner Weltumseglung vor genau 50 Jahren von Kapstadt nach Helgoland. Verfolgen Sie hier diese 131 Tage meiner aufregendsten Reise. Erlebbar machen möchte ich sie mit meinem Logbuch, das ich seither noch für niemanden geöffnet habe.

Das Logbuch meiner Fahrt von Kapstadt geht in Helgoland zu Ende. Allein und nonstop 8059 Seemeilen in 131 Tagen. Dazu der obligate Abschluss durch die schwierigen Gewässer des Englischen Kanals und der Nordsee. Aber meine Geschichte war noch nicht zu Ende, die des ersten Deutschen, der in 421 Tagen auf See über 29.380 Meilen allein um die Erde gesegelt war.

Was danach geschah war traurig für mich. Ich war einerseits grenzenlos glücklich übers Gelingen, andererseits verärgert und traurig, dass mir nicht geglaubt wurde. In vielen Zeitungen wurde ich nämlich als ein »Lügenbaron zur See« dargestellt. In einem ersten Kommentar des ehemaligen Kapitäns Stolzenburg vom »Deutschen Segler-Verband« musste ich sogar lesen, es sei »fast leugenhaft to vertelln«, dass man in einem so kleinen Boot eine so große Reise zurücklegen könne. Angekommen auf der Elbe, wollte ich am liebsten gleich umkehren. Hinaus aufs weite Meer. Nur weg.

Dabei hatte ich vier Logbücher, alle Einklarierungen von den Häfen und sonstige Dokumente. Erst als die »Bild« mir nicht nur mit »meterhohen« Titelschriften zur Seite stand, sondern Boot und Papiere ernsthaft geprüft hatte, glaubte man mir. Bereitwillig zeigte ich alle Unterlagen, die meine Weltumseglung bewiesen. Man akzeptierte und ließ als letzten Beweis meine Freundin aus Düsseldorf einfliegen, die ja meine Briefe von unterwegs erhalten hatte.




Meine Freundin Astrid stand mir zur Seite, baute mich wieder auf und ließ mich allen Ärger schnell vergessen. Ich landete mit ihr an Bord in Wedel bei Hamburg. Die Fahrt war endgültig zu Ende. Es begann die Zeit des sich Verkaufens. Los ging es im Büro von Henri Nannen, Chefredakteur des »Stern«, mit 12.000 Mark. Wow, das machte mich glückselig. Und es endete nach Wochen mit kleineren Beträgen beim Radio und Fernsehen. Ich saß manchmal vor einem Mikrofon und wusste auf Anhieb nicht, wo ich war. Solch eine Resonanz auf eine Weltumseglung bekam ich nie wieder. Auch nicht nach meinen seemännisch viel anspruchsvolleren Fahrten nonstop und allein. Die erste Fahrt 1968 war diesbezüglich sensationell.

Natürlich bekam ich mit, was in Deutschland 1968 los war, doch mein Denken war nur aufs Gelingen und Ankommen fokussiert. Die Stellung von Großsegel und Fock und vor allem die Position interessierten mich mehr. Es war ja noch die Zeit der Standortbestimmung mit Sextant und aufwändigen Rechnereien. Erst später beschäftigte mich die Frage der Studentenrevolte 1967/68. Es wurde gegen den Krieg in Vietnam, irgendwelche Altnazis und vor allem die Springer Presse demonstriert. Warum ausgerechnet die »Bild« sich um mich riss, weiß ich nicht. Immerhin: Mitten auf dem Atlantik war auch ich dabei. Meinen Protest gegen den Vietnamkrieg hatte ich auf meine Windfahne gepinselt (15. Tag). Mir gefielen die jungen Menschen, die sich lautstark einsetzten, aber sie taten auch Dinge, die aus meiner Sicht schwer verständlich waren. In dieser Zeit musste ich mich um Wind und Wetter kümmern und das Vorankommen. Nun ja, auch sehr ums alte Holzschiff.

Im Nachhinein betrachtet habe ich instinktiv auf meiner Weltumseglung alles richtig gemacht, zum Beispiel keinen Hafen bei Nacht angesteuert, immer gewartet bis das erste Licht des Tages sich zeigte. Und bei viel Wind Landnähe gemieden.

Nur wenige Wochen später verkaufte ich mein Schiff für 8000 D-Mark, da hatte ich wieder gut 20.000 zusammen. Formidabel. Meine Freundin Astrid trug Mini-Rock, hatte einen Führerschein, ein eigenes Auto, einen Beruf, war extrem selbstbewusst und souverän. Und sie hatte eine eigene Wohnung. Wir heirateten und mein Leben veränderte sich total. Allerdings nicht lange. Zunächst hatten wir keine klare Vorstellung, wie es mit uns weitergehen sollte. Weder beruflich, noch wo und wovon wir leben wollten. Deswegen kam ein zum Verkauf stehendes Segelboot gerade recht. »Damit segeln wir um die Welt«, sagte ich leichthin und ergänzte, »nur wir beide«. Sofort.

Wir nannten unser neues Boot »Kathena 2« und waren kurze Zeit später weg. Auf See mit der 8,90 Meter langen Stahlslup. Drei Jahre lang. Kurs Karibik, Panama, Tahiti, Neuseeland, Neu Guinea, Madagaskar, Kap der Guten Hoffnung, Helgoland. 1969–72. Auf Kurs mit vielen Sommertagen. Segel auf und nieder. Durch die Nächte. In die Häfen. 35.000 Seemeilen. Ein Bier aufmachen. Vom Boot ins Wasser springen. Herrlich. Oberherrlich. Uns hat es sehr gefallen.







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